Ewigkeit ist eine lange Zeit...

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Tanz der Vampire
Alfred hat furchtbare Langeweile. Seit fast drei Jahren gammelt er jetzt in diesem blöden Schloss rum, hat Sarah schon ewig nicht mehr zu Gesicht bekommen und vertreibt sich die Zeit damit, Herbert zu ärgern. Aber dann soll ausgerechnet der Diven-Instinkt Herberts Alfreds Leben komplett verändern???

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  1. Prolog
  2. Kapitel I: Divenanfälle
  3. Kapitel II: 417
  4. Kapitel III: Hirntot in Transsylvanien
  5. Kapitel IV: Die Waffen einer Frau
  6. Kapitel V: Verwirrende Logik
  7. Kapitel VI: Das langweiligste Kapitel dieser FF
  8. Kapitel VII: Sortierter Hinweisesalat mit frischen Gurken
  9. Kapitel VIII: Die Waffen einer Frau, Teil 2
  10. Kapitel IX: Ein bisschen Romantik
  11. Kapitel X: Die Lösung des Falls
  12. Kapitel XI: Das eigentlich der zweite Teil vom 10. Kapitel ist
  13. Kapitel XII: Die Nacht der Nächte, das Ereignis, das non plus ultra, das absolute Maximum
  14. Kapitel XIII: Suchet, und ihr werdet finden... oder auch nicht
  15. Kapitel XIV: Das Geständnis
  16. XV. Kapitel: Die kreative Kapitelüberschrift, die mir einfach nicht einfallen wollte
  17. XVI. Kapitel: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
  18. XVII. Kapitel: Massenkarambolage
  19. XVIII. Kapitel: Tja
  20. Epilog

Kapitel VI: Das langweiligste Kapitel dieser FF

VI. Kapitel: Das langweiligste Kapitel dieser FF
Das nächste, was ich wahrnahm, war ein angenehmer Duft. Danach spürte ich etwas Kühles und Feuchtes auf meiner Stirn. Das tat gut... zufrieden seufzte ich.
Noch eine Weile ließ ich die Augen geschlossen, bis mir klar wurde, dass ich nicht wusste, wo ich war, wie viel Uhr es war und was dieses kühle, feuchte Etwas war.
Nachdem ich meine Augen geöffnet hatte, wollte ich sie eigentlich sofort wieder schließen, aber zu spät – Herbert hatte schon bemerkt, dass ich wach war.
Er ließ das feuchte Tuch sinken, mit dem er bis eben noch meine Stirn abgetupft hatte und lächelte mich freundlich an. Mich gruselte inzwischen dieses freundliche Lächeln.
„Guten Morgen, Alfred.“
Verwirrt sah ich mich nach einem Fenster um – der Raum hatte keines.
„Wie spät ist es?“
„Kurz vor Sonnenaufgang. Aber keine Panik, hier drin bist du sicher. Mit dem Bein kannst du unmöglich in deinem Sarg schlafen.“
Mit einem Blick auf mein linkes Bein stellte ich fest, dass Herbert wohl leider recht hatte. Es war ein wenig merkwürdig abgewinkelt und an einer Stelle bläulich angelaufen. Herbert hatte wohl begonnen gehabt, mein Bein mit einem Verband zu umwickeln, hatte seine Arbeit dann aber unterbrochen.
Was war noch mal passiert? Warum sah mein Bein so aus?
„Was ist passiert?“, fragte ich Herbert.
„Du bist... gestolpert und die Treppe runtergefallen.“
„Oh.“
Mein Kopf fühlte sich schwer an und ich war müde... so müde.
„Und ist außer meinem Bein alles in Ordnung?“ Ich gähnte ausgiebig und war sogar zu müde, mir eine Hand vor den Mund zu halten.
Herbert fuhr mit dem Tuch in seiner Hand über meine Stirn und für eine Sekunde fühlte ich einen stechenden Schmerz, als er über eine Stelle oberhalb meines rechten Auges strich. „Ein Kratzer hier. Du bist ziemlich heftig mit dem Kopf aufgeprallt, du kannst von Glück reden, dass nichts Schlimmeres passiert ist.“
„Ja, ja...“, murmelte ich, schon fast wieder schlafend.
In diesem Augenblick erhob sich Herbert von der Bettkante neben mir und ich spürte, wie die Matratze sich verformte.
Reflexartig griff ich nach Herberts Arm und nuschelte, schon im Halbschlaf: „Nich weggehen...“
Erst als ich spürte, wie die Matratze neben mir wieder Herberts Gewicht nachgab, gab ich einen Laut der Zufriedenheit von mir, rutschte ein bisschen beiseite, um Herbert Platz zu machen und schlief dann seelenruhig ein.

Ich musste wohl den ganzen Tag über durchgeschlafen haben, denn als ich zum nächsten Mal erwachte, stand Herbert an meinem Bett und streckte mir ein Tablett entgegen. „Abendessen!“, rief er fröhlich.
Vorsichtig setzte ich mich auf und stellte zufrieden fest, dass es mir bei weitem besser ging. Inzwischen erinnerte ich mich sogar wieder daran, was geschehen war.
Während ich das Tablett dankbar entgegennahm, es auf meinem Schoß abstellte und begann, die Kartoffeln kleinzuschneiden, memorierte ich den ganzen Ablauf des Geschehens. Ich war immer noch in dem fensterlosen Zimmer, in dem ich schon am Morgen zuvor aufgewacht war. Ich war sehr müde gewesen, was vermutlich an meiner Kopfverletzung gelegen hatte, und daran, dass es schon fast Morgen gewesen war. Ich erinnerte mich noch daran, wie ich Herbert zum Bleiben aufgefordert hatte, konnte aber nicht sagen, ob er tatsächlich den ganzen Tag an meinem Bett verbracht hatte, oder ob er gegangen war, sobald ich eingeschlafen war.
Ich wusste auch, warum ich in diesem Zimmer gelegen hatte – ich war die Treppe heruntergefallen. Die Treppe vom Turmzimmer mit den vielen, vielen Stufen. Deswegen war mein Bein jetzt einbandagiert, was höchstwahrscheinlich Herberts Werk war. Deswegen hatte ich diese Schramme am Kopf, die inzwischen glücklicherweise kaum noch wehtat.
Und ich konnte mich auch wieder daran erinnern, warum ich die Treppe hinuntergestürzt war – ich hatte Herbert geküsst.
Nicht schon wieder!!!
Am liebsten hätte ich jetzt meinen Kopf heftig gegen die Wand geschlagen, aber so schmerzlos war die Schramme an meiner Stirn dann wohl doch wieder nicht, und zudem war keine Wand in der Nähe. Stattdessen blieb mir nichts anderes übrig, als mich an meiner Kartoffel zu verschlucken und einen heftigen Hustenanfall zu bekommen, der erst endete, als Herbert mir auf den Rücken klopfte.

Es musste wieder irgendetwas vorgefallen sein, irgendetwas, das ich übersehen hatte, und das für meine Gehirninaktivität gesorgt hatte.
Glücklicherweise, stellte ich mit einem prüfenden Blick auf Herbert fest, schien mein Hirn heute tadellos zu funktionieren und ich hatte mich vollkommen unter Kontrolle.

Bisher hatte Herbert noch nicht viel gesagt, und auch ich hatte still vor mich hingegessen, aber jetzt war ich fertig mit dem Essen und stellte das Tablett beiseite.
Ich überlegte gerade, was ich sagen oder tun sollte, als mir siedend heiß einfiel, dass es nur noch fünf Tage bis zum Mitternachtsball waren und ich mich ja um Sarahs Kleid hatte kümmern wollen. Wenn es rechtzeitig fertig sein sollte, dann musste ich mich dringend darum kümmern!!!

Ich wollte aufspringen, dachte aber nicht an mein Bein, und ein stechender Schmerz durchfuhr mich, als ich es aus dem Bett schwingen wollte. Wie war das noch mal gewesen? „Scheiße!“, fluchte ich und ließ mich zurück in die Kissen fallen.
Verwirrt hob Herbert eine Augenbraue, sagte aber nur: „Mit dem Bein ist Aufstehen vielleicht keine so gute Idee... Wo wolltest du denn so plötzlich hin?“
Ich musste mich erst einmal sammeln und wartete ein paar Sekunden, bis der Schmerz abgeklungen war. „Sarahs Kleid“, presste ich schließlich hervor, als das Stechen in meinem Bein so langsam nachließ.
Bei der Erwähnung von Sarahs Namen aus meinem Munde verzog Herbert das Gesicht, wie er es bei diesem Anlass immer wieder gern tat und hakte nach: „Was ist mit Sarahs Kleid?“
„Ich habe ihr versprochen, eines bei der Schneiderin unten im Dorf für sie zu bestellen und abzuholen. Sie will es am Mitternachtsball tragen...“
Während Herbert nach dem leeren Tablett griff, murmelte er: „War ja klar, dieses Mädchen hat vermutlich Angst, jemand könnte besser aussehen als sie auf dem Ball, und würde ihr somit ihr Spielzeug klauen! Phh, da hat sie recht. Es gibt genug andere, die besser aussehen als sie!“
Ich bin mir nicht ganz sicher, warum ich den Impuls unterdrückte, sie zu verteidigen. Stattdessen erstaunte ich mich selbst, indem ich fragte:
„Würdest du es vielleicht abholen? Tu es für mich... bitte!“ Merkwürdigerweise erinnerte ich mich selbst dabei stark an Sarah, als sie mich gebeten hatte, das Kleid für sie zu organisieren. Ich setzte Wimpern und Schmollmund gleichermaßen ein und stellte erfreut fest, wie es nur nach wenigen Sekunden Wirkung zeigte.
„Na gut. Aber nur, damit du nicht doch versuchst, aufzustehen und ins Dorf zu humpeln. Ich kenn dich doch, für Sarah würdest du so was glatt tun.“
Ich lächelte ihn zufrieden an, bekam aber kein Lächeln zurück. Das irritierte mich.
Stattdessen drehte sich Herbert um und wollte das Zimmer verlassen, ohne noch ein weiteres Wort zu sagen. Ohne mich auf den zweiten Kuss anzusprechen, ohne ein anzügliches Grinsen, ohne sämtliche Anzeichen, die ihn als Herbert auszeichneten. Es war sonderbar, irgendetwas stimmte hier nicht.

„Herbert!“, rief ich ihm hinterher, und wusste nicht einmal, was genau ich sagen wollte, aber er drehte sich nicht einmal um, murmelte nur „Später, Alfred“ und ging.