If a song could get me you
If a song could get me you
If a song could get me you – Marit Larsen
Wenn ein Song dich zu mir bringen könnte
Es war ein kühler Oktobernachmittag. Der Wind wehte die bunten Blätter über die Straßen und Gehwege. Bei diesem Wetter traute sich kaum jemand auf die Straße. Nur ein paar hart gesottene Menschen gingen mit ihren Hunden spazieren. Was sein musste, musste sein.
Ein junger Mann war ebenfalls unterwegs. Den Kragen hochgeschlagen, um sich etwas vor dem beißenden Wind zu schützen, bahnte er sich den Weg durch das am Boden liegende Laub. Er mochte den Herbst nicht. Als kleines Kind war es mit dem Winter zusammen seine Lieblings-Jahreszeit. Seit ein paar Jahren nicht mehr. Nicht mehr seitdem ihm ein geliebter Mensch genommen wurde. Aber nicht durch den Tod, zumindest hoffte er das. Er hoffte, dass es ihr gut ging, wo auch immer sie war.
Wie seit einer Woche ging David Bonk den gleichen Weg. Jeden Nachmittag machte er sich auf den Weg zu seinem besten Freund. Er konnte schlecht alleine sein, nicht mehr. Es hatte eine Zeit gegeben, in der er gerne ab und zu alleine war. Doch jetzt nicht mehr, außer nachts. Das war die einzige Zeit des Tages, in der das Alleinesein halbwegs erträglich war. Aber das auch nicht immer. Doch das gab er nicht zu. Es reichte schon, wenn seine Freunde und Familie sich schon Sorgen darum machten, dass er tagsüber immer jemanden um sich herum brauchte. Seine Eltern wollten ihn deswegen schon zu einem Arzt schicken. Doch David hatte sich immer gewehrt und es nur als eine Phase abgestempelt, auch wenn er wusste, dass es keine war. Nein, er wusste, dass es nicht aufhören würde. Zumindest nicht, solange sie nicht wieder bei ihm war.
„Was hälst du von 'es scheint, es geht dir besser so allein'?“ David schaute von seinem Block auf; sein Blick traf den seines besten Freundes.
„Schreibst du immernoch an ihrem Song?“ Timo legte den Kopf schief. So langsam ging es ihm auf die Nerven. Klar, er konnte ihn verstehen. Immerhin ging es hier um das Mädchen, das David am meisten etwas bedeutet hatte und mit der er nie zusammen gewesen war. Aber nach zwei Jahren müsste es so langsam doch mal gut sein, fand Timo.
David nickte abwesend. Er wusste ja, dass es Timo auf die Nerven gehen musste, aber sonst hatte er doch keinen zum Reden! Mit Chris redete er nur noch das Nötigste, weil er Schuld daran war, dass sie weg war.
Frank und Juri kannten sie zu schlecht, als das sie ihm helfen konnten und Jan hatte ihm schon gesagt, dass das Thema Hailey für ihn abgehakt war. Im Gegensatz zu Timo hat er David gesagt, dass er aufhören soll, ihr hinterher zu trauern. Aber das brachte Timo nicht übers Herz, wozu waren schließlich beste Freunde da? Zuhören, wenn es dem anderen schlecht ging, um nur eine Sache zu nennen.
„David“, begann Timo ruhig, „wielange schreibst du nun an dem Song? Seit sie weg ist, seit zwei Jahren. Ich mein, klar, du brauchst was um die Sache zu verarbeiten, aber irgendwann muss doch mal gut sein.“ Behutsam versuchte Timo David endlich zur Vernunft zu bringen.
David seufzte und legte den Kugelschreiber beiseite. „Du verstehst das nicht, Timo.“
„Ich merk das schon“, murmelte er.
„Weißt du, mit dem Song habe ich das Gefühl, dass ich Hailey wenigstens so ein bisschen näher bin“, er holte kurz Luft. Er wollte zum ersten Mal darüber sprechen, wie sehr sie ihm fehlte. „Du denkst vielleicht, dass ich für Hailey mehr als nur Freundschaft empfinde. Würde ich an deiner Stelle vermutlich auch tun. Aber es ist nicht so. Klar, liebe ich sie, aber mehr wie eine Schwester. Auch wenn wir drei uns seit dem Kindergarten kennen, du hast dich ja lieber mit ihr gestritten.“ Timo musste bei dem Gedanken daran grinsen. Er konnte sich noch gut daran erinnern. Aber eigentlich war er nur eifersüchtig auf das Mädchen gewesen, weil er dachte, sie würde ihm David wegnehmen. Was natürlich nicht stimmte. Aber als Vierjähriger dachte man nunmal so.
Timo beugte sich vor. Auch er war gerne mit Hailey zusammen gewesen. Und nun war es an ihm, seinem besten Freund zu helfen. „Schon ne Melodie im Kopf?“