Tonight
Künstler: Reamonn
Link: http://www.youtube.com/watch?v=nMBwwdx6mrk
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Meine Theorie bewahrheitete sich auch. Tizian kam mit zwei Frauen - jeweils eine neben ihn - die mächtige Eingangstür herein. Er blickte mir verschmitzt in die Augen und sah sich um. Als er sich einen ersten Eindruck von meinem Werk gemacht hatte, sagte er: “So rein wie Kristalle”.
Ich sah ihn verärgert an und überkreuzte die Arme vor meiner Brust, den Besen ließ ich wie von einer Tarantel gestochen fallen. Danach giftete ich: “Ich geb dir gleich “So rein wie Kristalle”! Was machst du überhaupt schon um die Uhrzeit hier?”. “Nicht in diesen Ton mit mir, mein Fräulein. Reinzufällig wohne ich hier”, antwortete Tizian mir nur unverschämt.
Das war so klar, dass er so reagiert. Wütend meinte ich: “Ich bin nicht dein Fräulein! Nur weil du mich zu deiner Sklavin gem…”, weiter kam ich nicht, da eine der Frauen fragte: “Ist sie das?”. Verwirrt sah ich die drei Personen an, die mich auf einmal so fixierten. Was sollte das denn? Tizian erhob seine Stimme: “Ja genau, das ist sie”. “Nett”, kommentierte die andere.
Hm, dachte ich mir, wenn er schon zwei Bitches mitbringt, dann kann ich die ja auch mal durchchecken. Die Frau, die links von ihm stand, war ebenfalls recht groß, ich schätzte, dass sie bestimmt um die zwanzig Zentimeter größer als ich war. Sie hatte fickmichblondes Haar, war aber ansonsten sehr sympathisch vom Aussehen. Auch ihre Kleidung überstand meinen Check ohne Probleme. Sie trug nämlich eine hellblaue Hose und einen braunen Mantel.
Danach kam natürlich die Dame rechts von ihm dran. Tiefschwarzes Haar, welches mich unglaublich sehr an das umwerfende von Tizi erinnerte. Ja, ich mochte den kleinen Wuschelkopf, den er da auf seinem Kopf hatte. Nun, weiter geht es mit der Musterung. Von den Klamotten war sie sonst so ähnlich wie die Blondine und auch sie war recht groß. Krystal war also unter Riesen. Allein.
“Du kannst im Übrigen aufhören”, riss mich die kühle Stimme von dem Hausherren aus meinen Gedanken. Bevor ich etwas sagen konnte, fuhr er nämlich fort: “Zieh dich lieber um und bereite uns etwas zu”. “Ich kann nicht kochen, schon vergessen, du Hohlkopf?”, wies ich ihn zurecht, woraufhin die Frauen lachten. Leckt mich doch alle am Arsch! Nur weil ich den Mut hatte, das zuzugeben, brauchten sie nicht gleich denken, dass sie was Besseres als ich seien.
Plötzlich setzte sich das Trio in Bewegung. Nebenbei sagte Tizian: “Deswegen habe ich auch dieses Mal ein kleines Fertiggericht dabei. Ich hoffe doch, dass du mit Mikrowellen umgehen kannst”. Seine Süffisanz war dabei absolut nicht zu überhören. Daher antwortete ich spitz: “Nein, oh mein Gebieter, verzeih mir doch, aber ich lebe in der Steinzeit. Zeige mir, wie so eine sogenannte Mikrowelle funktioniert und weise mir den Weg in die richtige Richtung”.
Ich nahm ja auch wirklich kein Blatt vor den Mund. Sichtlich wütend stampfte Tizi auf mich zu, doch das Lachen der Blondine ließ ihn abrupt stoppen. Er drehte sich um und wollte gerade etwas sagen, doch die Frau kam ihn zuvor. Mit schnurrender Stimme sagte sie “Du hast mit deinen gesamten Aussagen echt nicht übertrieben, Tizi”. Damn. Erst wird er unterbrochen und dann auch noch so angesprochen. Was er wohl machen wird?
Zu meinem leichten Erstauen, welches ich mir selbstverständlich nicht ansehen ließ, erwiderte Tizian: “Frauen. Ihr seid aber auch nicht besser und das wart ihr noch nie”. Um was ging es hier? Ich verstand nur Bahnhof, nämlich nichts. Ehe ich mir noch weitere Gedanken darum machen konnte, landete etwas genau vor meinen Füßen. Es war eine weiße Tüte.
Erst jetzt bemerkte ich, dass Tizi etwas in der Hand hatte. Also bevor er die Tüte zu mir geworfen hatte. “Na los, ich habe dir einen Arbeitsauftrag gegeben und den sollst du noch immer ausführen”, wies er mich gleich zurecht. Ich sagte: “Ja ja, du arroganter Schnösel”. Wieder kicherten seine Begleitungen, Tizian aber würdigte mich keines Blickes mehr und sagte an den Frauen gerichtet, dass sie doch schon einmal in die Küche gehen sollen.
Bevor dies aber geschah, nahm er ihnen die Mäntel ab. Dann begaben sich die Drei zur Treppe. Während sie die vielen Stufen hoch liefen, funkelte mich Tizian bitterböse an.
Nach etwa zehn Minuten war ich dann ebenfalls bereit. Ich hatte mir einen gemütlichen Jogginganzug angezogen. Tizian sollte bloß nicht denken, dass ich mich schön machte. Jawohl! Nicht, nachdem er mich so angeschaut hatte. Das war irgendwie … gemein. Ping! Wie bitte? Oh, die Lasagne, die ich zuvor in die Mikrowelle geschoben hatte, war fertig.
Ich ließ sie noch stehen, denn ich musste noch den Tisch decken. Nur weil Tizian zu faul dafür war. Je länger ich hier war, desto mehr musste ich mich über ihn und seine Lebensart aufregen. Wahrscheinlich kommt er alleine nicht zurecht, da könnte ich ihm ja behilflich sein. Hmpf.
Missmutig stellte ich jeden der drei Personen einen Teller hin, doch Tizi meinte: “Ich kann mich nicht daran erinnert haben, dich auch an den Tisch gebeten zu haben”. “Hä?”, machte ich nur, da ich absolut nicht verstand, was er von mir wollte. Einen Augenblick später dämmerte es mir. Ich Idiotin hatte vier Teller aus dem Schrank genommen. Muss wohl noch von früher sein.
Früher. Nein! Aus! Raus da aus meinen Kopf! Ich schüttelte meinen Kopf und murmelte etwas von wegen ich würde nie wieder an meine Vergangenheit denken. Ich glaubte, dass es deswegen auch so hieß. Es war vorbei. Vorbei. Für immer. “Sorry, ich …”, begann ich, brach aber dann ab. Lieber gab ich ihnen Gläser und schenkte jedem ein Wasser ein. Tizian wollte es nämlich so.
Tizian’s Sicht!
Nachdem ich diesem kleinen Mädchen gesagt hatte, dass ich mich nicht daran erinnern könnte, es auch einen Platz an den Tisch angeboten zu haben, sah es ziemlich verwirrt aus. Ich fragte mich sogar, was in dem Kopf von Krystal so vorging, doch ich wusste, dass sie das nie zugeben würde.
Lieber musterte ich sie weiterhin und musste aufpassen, dass sie nicht bemerkte, wie ich jeden ihrer kleinen Schritte beobachtete. Für ihre Größe von einen Meter und dem halben Meter war sie ziemlich schlagfertig. Das musste ich ausnahmslos zugeben. Was mich aber am Meisten beunruhigte war, dass sie daraufhin mit dem Kopf geschüttelt hatte.
Obwohl ich sie nicht kannte oder auch nur ein Detail aus ihrem Leben wusste, war ich beunruhigt. Meine Sorgen um sie verschwand auch nicht, im Gegenteil, sie wurden stärker, als sie angefangen hatte, sich zu entschuldigen und dann nicht fertig sprechen konnte. Da war irgendetwas faul. Ich fühlte es und doch hatte ich keine Ahnung von Krystal.
Es war für mich irgendwie faszinierend, ihr dabei zuzusehen, wie sie Tara, Tabitha und mir Wasser einschenkte. Sie wirkte dabei so nachdenklich und zerbrechlich. Manchmal gab es Momente, in denen ich Krys so sehr anschreien könnte, dass sie weinte, doch dann gab auch wieder welche, in denen ich ihr Gehör schenken wollte. Leider war Letztes gerade eingetroffen.
Ich musste mich sogar richtig anstrengen, um meine zwei reizenden Besucherinnen nicht vor die Tür zu setzen und nicht mit dem Mädchen, welches so blaue Augen wie Eis hatte, allein sein zu wollen. Wie gerne würde ich mir ihre Geschichte anhören, wie gerne würde ich hier helfen wollen und doch blieb mir das alles verwert. Wäre sie doch bloß nicht so verdammt störrisch, hätte sie doch bloß nicht meine Sternskulptur kaputt gemacht. Wäre ich ihr doch bloß nie begegnet. Wäre ich doch bloß…
Ändern konnte ich es auch nicht mehr und so fand ich mich, langsam aber sicher, mit meinem Schicksal ab. Es würde schon bald besiegelt sein. So viel stand fest. “Willst du denn nicht auch essen?”, fragte mich plötzlich Tara, die Blondine und ich antwortete: “Doch, aber mich stört hier etwas gewaltig”. “Ist ja gut, ich geh ja schon!”, hörte ich Krystal pampig sagen.
Nein! Sie hatte ich doch gar nicht gemeint! Und doch ließ ich sie ziehen. Ich musste ihr einfach hinterher sehen. Sie war für mich wie ein versiegeltes Buch. Ich fragte mich, wie lange ich wohl brauchen würde, um dieses verdammte Siegel zu knacken und das Buch zu lesen. Es gab schon jetzt Momente, in denen ich daran zweifelte. Nie aber würde ich ihr zeigen, was wirklich Sache war. Nie.
Ich aß mit meinen zwei Damen auf und dann rief ich nach Krystal. Gereizt kam sie schließlich in die Küche und wollte wissen, was denn los wäre. “Mach den Dreck hier weg”, sagte ich, doch sie meinte: “Morgen früh”. Etwas in mir knackste gewaltig an dieser Aussage. Daher blieb ich standhaft und brachte sogar Erfahrungen mit hinein: “Damit du wieder bis kurz vor vierzehn Uhr schläfst? Stell dich nicht so an, es ist kurz vor elf, also mach schon!”.
Natürlich kam sie meinem Befehl dann nach und räumte den Tisch ab. Wieder blieb mein Blick an ihr kleben, aber ich durfte das nicht. Nicht bevor ich das hatte, was ich wollte. “Wenn du mich brauchst, ich bin mit den Frauen in meinem Schlafzimmer. Denke daran, erst Klopfen und dann auf ein Zeichen von mir warten”, klinkte ich mich wie heute Morgen von ihr aus. Sie keifte: “Na endlich, ich fragte mich schon, wie lange du mich noch mit deiner Anwesenheit belästigen willst”.
Neben mir wurde gelacht. Tabitha natürlich. Wer denn auch sonst? Dass sie auch nie ihre liebenswerte Art verlor. Das war zum Verrückt werden und doch zeichnete sie das aus. Genau diese Eigenschaft rechnete ich ihr hoch an. Im nächsten Moment kam mir aber eine amüsante Idee. Ich sagte an Krystal gerichtet: “Mein Kristall, was haltest du davon, wenn du mit uns kommst? Ich bin mir sicher, dass wir Vier in meinem kleinen kuscheligen Reich sehr viel Spaß haben werden”.
Kaum hatte ich das ausgesprochen, sah ich, wie Krys erstarrte. Sie war geradezu entsetzt von meiner Frage, was ihr schon fast nicht verübeln konnte. Sie erwiderte: “Nein danke, da würde ich lieber mit dem Teufel höchstpersönlich in einem Raum sein, als mit dir”. “Schade”, sagte ich, “du verpasst da nämlich wirklich etwas”. “Ach, tue ich das? Tut mir leid, dass das mir noch gar nicht aufgefallen ist”, konterte sie und ich musste mich für den Bruchteil einer Sekunde neu ordnen.
Dann aber schlug ich den Ball zurück, indem ich sagte: “Du spielst ganz schön mit dem Feuer”. “Darin habe ich ja auch schon Übung”, entgegnete sie und ich sah, wie sich ihre Augen mit Trauer füllten. Grenzenloser Trauer. Ich fragte mich, woher das kam und hatte dafür keine Antwort. So war es auch mit meinen ganzen anderen Fragen. Es waren so viele, dass ich mir sicher war, nie auf jede eine vernünftige Antwort zu bekommen.
“Was ist? Ich dachte, du wolltest mit deinen Bitches Spaß haben”, blieb Krystal ungerührt bei der Sache. Neben mir war es still. Tara und Tabitha sei Dank! Zum Glück ließen sie das über sich ergehen. “Werden wir auch. Viel mehr Spaß, als ich mit dir je haben könnte und werde”, sagte ich süffisant und ging mit den beiden Damen erhobenen Hauptes aus dem Raum.
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Ja, das Kapitel ist auch zum Teil aus der Sicht von Tizian geschrieben.
Was haltet ihr davon? ;)
Würde mich seeehr über Feedback freuen! ^-^
<3