I Walk Alone
Künstler: Tarja Turunen
Link: http://www.youtube.com/watch?v=tbaiB2Q333M
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An einem kühlen Mittag lief ich die Straße entlang. Wie jeden Tag. Wie jeden einzelnen Tag lief ich die selbe Strecke. Ich kannte jeden Stein, jeden Flecken, jeden Baum, einfach alles. War ja auch kein Wunder, da ich hier schon mein ganzes beschissenes Leben lebte.
Mein tiefschwarzes Haar flatterte leicht im Wind umher, doch mir war nicht kalt. Nein. Mir würde niemals kalt werden, denn ich selbst war kalt. Ganz ehrlich: Mir war es egal, ob ich andere Menschen verletzte. Ich spürte kein Mitleid, nein, ich spürte eher Genugtuung. Ich liebte es, alleine zu sein und mir unerwünschte Menschen vom Leibe zu halten.
Und trotzdem gehörte ich einer schäbigen Bande an. Keine Angst, ich machte mir nie viel daraus, denn ich war eine Einzelgängerin. Eine Einzelgängerin aus Leidenschaft. Niemand durfte mir zu Nahe kommen oder auch nur näher auf mich einreden. Nennt mich dumm oder zickig, das interessiert mich eh nicht. Leider trat aber genau vorher beschriebene Situation auf.
Ein Junge war mir hinterhergelaufen und hielt mich am Handgelenk fest. Ich drehte mich abrupt um und riss mich sofort los. „Was willst du von mir, Jannik?“, fragte ich sichtlich sauer und verdrehte genervt die Augen. Jan meinte daraufhin: „Krys, bitte hör mir zu“.
Ich sah ihn unbeeindruckt an. Dann sagte ich verachtend: „Warum sollte ich? Siehst du denn wirklich nicht, dass ich es eilig habe? Wir Menschen auf der Straße haben es nun einmal nicht so leicht wie ihr“. Jan sah mich sehr traurig an und selbst das ließ mich völlig kalt. „Ich liebe dich“, sagte er leise. Ich für meinen Teil hatte aber nur ein spöttisches Lachen für ihn übrig, ehe ich mich zusammenriss und meinte: „Du sprichst von Liebe? Meine Fresse bist du naiv! Deine Liebe kannst du dir sonst wohin stecken, du eingebildete Bonze!“.
Na, schon gemerkt, dass ich reiche Pinkel hasste? Super, das freut mich. Jan ließ aber nicht locker. „Das ist unwichtig. Ich mag dich so wie du bist…“, setzte er an, doch ich schrie: „Verschwinde! Ihr scheiß Fatzken wollte eh nur angeben und protzen! Darauf kann ich echt verzichten!“. Mein Gegenüber ging auf mich zu und meinte: „Krystal, ich…“, doch dann bekam er eine Ohrfeige von mir und schon sagte ich: "Ich habe dir gesagt, dass du mich in Ruhe lassen sollst!“. Daraufhin rannte ich von ihm weg. Ein etwas verdutzter Jannik blieb zurück.
Was bildet er sich eigentlich ein, schoss es mir durch den Kopf, denkt er wirklich, dass ich auf so einen reichen Pinkel wie ihn stehe? Niemals! Wie ich die Menschen hasse! Er war ein lebendiges Beispiel dafür. Manchmal fragte ich mich, warum er nur so dumm war und nicht verstand, dass er mir sehr auf die Nerven ging.
Langsam aber sicher beruhigte ich mich allerdings wieder, da keine Menschenseele weit und breit zu sehen war. Im nächsten Moment fielen die ersten Schneeflocken von dem Himmel. Nichts Ungewöhnliches, denn allmählich suchte der Winter das Land heim. Hatte ich schon erwähnt, dass ich solche Wetter liebte? Nein? Dann ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, dies zu tun. Ich liebe Winter, Schnee, Kälte und Regen über alles!
Ich lief immer alleine durch das Leben umher, warum sollte ich mich auch anderen Menschen anvertrauen? Ich brauchte niemanden, der mir wehtat oder mich verarschte. Nein, so weit würde es niemals mehr kommen! Im Gegensatz zu den anderen kleinen Kreaturen, entschuldigt, ich meine Menschen, kam ich super ohne fremde Hilfe zurecht. Ich brauchte niemanden, nur mich selbst.
Leider wollten das noch immer viele Gestalten nicht verstehen und genau das ist das Nervige an der Sache. Besonders die Typen klebten mir an meinem Arsch und gingen mir mächtig auf die Eierstöcke. Okay, also eigentlich bin ich ja gegen Gewalt, aber es ist auch schon das ein oder andere Mal passiert, dass mir die Hand ausgerutscht ist. Unabsichtlich natürlich, ihr versteht? Gut, ich liebe die Ironie und den Sarkasmus - vielleicht.
„Krystal!“, hörte ich plötzlich jemanden nach mir rufen. Nicht schon wieder, hatte ich mich vorhin denn nicht klar ausgedrückt? Wobei, mir fiel gerade auf, dass es nicht Jannik war, der mich sprechen wollte, sondern eine andere Person. Eigentlich war ich ja ganz intelligent, aber nach einiger Zeit hatte ich es aufgegeben, mir die ganzen Namen der Lebewesen zu merken, die mir hinterherliefen.
Natürlich stoppte ich nicht, denn ich wollte so schnell es geht zu meinem Schlafplatz. Dann aber wagte es dieser eklige Kerl mich an meiner rechten Schulter anzufassen. Okay, das war deutlich schlimmer, als an einem der Handgelenke berührt zu werden. Ich drehte mich um und sah einen langgezogenen Typen vor mir. Brr, nicht der. Es war von niemand geringerem als von Christian die Rede. Gut, er war weder so fett wie ein Schwein, noch so hässlich wie ein Biest, aber dafür umso nerviger.
Er sah von oben auf mich herab, hey das waren immerhin gute fünfzig Zentimeter! „Ich habe dich schon überall gesucht, meine Prinzessin“, säuselte er und wollte mich doch tatsächlich umarmen! Sollte das irgendwie eine Neuauflage von Die Schöne und das Biest werden? Kleiner Joke, ich bin nicht eingebildet, sondern selbstbewusst. Tja, so bin ich nun mal. Daher war es auch kein Wunder, dass ich einige Schritte zurücktrat und ihn angiftete. Ich zischte: „Was sollte der Scheiß? Pass bloß auf, dass du nicht auf deiner kilometerlangen Schleimspur ausrutschst!“.
Chris sah mich etwas bestürzt an. Oh no, hoffentlich heult der nicht gleich los, frotzelte ich innerlich und musste unwillkürlich kichern. Ruhig, ganz ruhig Krys, lass dir bloß nichts ansehen, schoss es mir durch den Kopf. Ich war nicht schizo oder gestört, aber manchmal gab es da eine zweite Stimme in meinem Kopf. Ihr kennte diese sicherlich, man nennt diese auch Unterbewusstsein. Okay, jetzt war es an der Zeit, dass mein loses Mundwerk die Kontrolle über mich übernahm, denn ich wusste, dass Christian das nicht auf sich sitzen lassen würde.
Er sagte auch schon: „Komm mit zu mir, da hast du ein Dach über den Kopf und nicht die heruntergekommene Lagerhalle“. „Also mir gefällt es da wo ich penne sehr gut“, erwiderte ich amüsiert über sein lächerliches Angebot. Wobei ich schon ein wenig sauer war, denn niemand beleidigte meinen geliebten Schlafplatz! Das würde ich ihm aber noch sagen, denke ich. „Sei nicht albern, ich kann dir viel mehr bieten als dieses jämmerliche Leben auf der Straße.“, meinte er und ich sah in seine braunen Augen. Glubschaugen. Eigentlich eine ganz witzige Sache, aber naja, ich wollte ja nicht mit ihm ein Kaffeekränzchen veranstalten, sondern nach Hause. Oh, habe ich das wirklich grade gesagt? Tut mir leid, ich meinte Aufenthaltsort.
Ich hatte ja kein Zuhause mehr und das schon seit drei Jahren. Natürlich bin ich nicht aus reinem Spaß abgehauen, doch die Gründe für mein damaligen Handeln waren völlig egal, denn es ging niemanden etwas an. Selbst wenn mich meine sogenannte Familie finden würde, sie könnten mich nicht mitnehmen. Mittlerweile war ich nämlich volljährig und konnte machen, was ich wollte.
Ich bestahl oder erpresste niemanden, ich lebte nur für mich. Wenn ich Kontakt mit anderen Menschen hatte, dann nur um Geld zu bekommen. Eigentlich sprach ich selten mit ihnen ein Wort, aber manchmal musste das einfach sein. Außerdem liebte ich es, ihre wütenden Gesichter zu sehen. Irgendwie beruhigte mich das und ich spürte sogar eine gewisse Genugtuung. Nein, ich bin nicht gestört, das sagte ich bereits, zudem bin ich keine Sadistin. Solche Wesen sind krank, aber mir soll es egal sein, denn ich würde auf ihre dämliche Masche niemals hereinfallen.
Plötzlich wurde ich geschüttelt, plötzlich? Nein, ich erschrak kein bisschen, sondern blickte in das dämliche Gesicht von Christian. Scheiße, er wartete sicherlich noch auf eine Antwort von mir. Sollte ich oder sollte ich nicht? Hach, ich liebte es, Menschen leiden zu lassen. Dieses Mal aber machte ich meinen Mund auf. Ich sagte: „Also ich bin zufrieden mit meinem Leben, du scheinbar nicht oder warum willst du unbedingt, dass ich zu dir komme? Du bist genauso nervig wie Jannik!“. „Das … das stimmt nicht!“, stotterte Chris wild rum.
Daraufhin musste ich laut loslachen. Das war einfach nur zu komisch, geradezu göttlich. „Was dann?“, wollte ich schnippisch wissen und hatte ihn damit in die Enge getrieben. Mann, bin ich gut! Er meinte: „Du bist viel zu hübsch dafür“. Jämmerliches Stück angehäufter Zellen und alles, was dazugehörte. Das ist ja echt widerlich! „Hör zu, ich werde immer alleine durch das Leben gehen, ob du willst oder nicht. Finde dich damit ab und lass mich verdammt noch mal in Ruhe!“, schrie ich ihn an und rannte weg. Das zog immer bei den Kerlen, vor allem war ich noch eine exzellente Sprinterin.
Schade nur, dass es im Leben doch gewisse Gestalten gibt, die sich nicht so leicht abschütteln lassen.
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Na, was sagt ihr?^^
So stelle ich mir ungefähr Krys vor: http://userserve-ak.last.fm/serve/_/54352305/Rose+Noire+rosenoire_jill.jpg
Würde mich wirklich seehr über erste Eindrücke freuen! <3
Liebe Grüße,
Chaos-Queen94F1 :*