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Er ist ein Star - holt ihn hier raus!
Die angehende Abiturientin Isabelle hat die Schnauze gestrichen voll von Männern. Doch durch einen Trick schafft es ausgerechnet Bastian Schweinsteiger, das freie Zimmer in ihrer WG zu bekommen. Wenigstens kann sie sich in den nicht verlieben, denn diesen eingebildeten Chaoten kann Isa auf den Tod nicht ausstehen. Glaubt sie zumindest … (Humor/Romanze/Drama)
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Dafür, dass du es versucht hast„Ich geh schon“, erbot Deborah sich und lief hinaus. Es läutete bereits zum zweiten Mal und Isabelle fragte sich, ob das wirklich Sara sein konnte, deren Art es eigentlich nicht war, nach wenigen Sekunden ungeduldig zu werden. Dann hörte sie die Tür aufschwingen und es herrschte erst mal Stille. Sofort verspürte Isabelle ein unangenehmes Ziehen in der Magengegend. Die Situation kam ihr so verdammt bekannt vor … „Vielleicht ist es ja auch die mögliche Mitbewohnerin in spe. Du bleibst einfach mal sitzen, ich mach das schon.“ Mit diesen Worten rauschte Sara hinaus und Isabelle hörte, wie die Wohnungstür geöffnet wurde. Danach blieb es erst mal eine ganze Weile still. Nur ein gedämpftes „Hi, bist du Isabelle?“ drang in die Küche, aber von Sara kam nichts. Kein Ton. Was war denn da los? Außerdem hatte die Stimme nicht gerade weiblich geklungen. „Verrückter Tag“, murmelte Isabelle, stand auf und lief in den Flur hinaus, um endlich zu erfahren, was hier vor sich ging. Doch kaum hatte sie gesehen, wer vor der Tür stand und nun mit einem leichten Grinsen in ihre Richtung schaute, begriff sie, was der Grund für Saras verdattertes Schweigen war. Was musste ihr auch ausgerechnet jetzt dieser verwünschte Tag einfallen, an dem Bastian in ihr Leben getreten war? Isabelle kniff so fest ihre Lippen zusammen, dass es richtig weh tat. Und als hätte mal eben wer die Zeit um einige Wochen zurückgedreht, hörte sie nun seine Stimme, die augenblicklich ihren ganzen Körper in Aufruhr versetzte. „Hi, ich … ich muss mit Isa reden.“ Nicht nur Isabelle hörte für einen Moment auf zu atmen; auch Louisa und Tamina hielten die Luft an und lauschten. Doch Deborah meisterte die Situation großartig. „Ich glaube nicht, dass sie im Augenblick mit dir reden will. Komm in … sagen wir vier Stunden wieder, dann kannst du dein Zeug abholen.“ Und PENG war die Tür wieder zu und Deborah marschierte zurück zu ihren Freundinnen. „Los, lasst uns weitermachen, damit er heute Abend alles schön verpackt vorfindet“, kommandierte sie und warf Isabelle einen besorgten Blick zu. „Und du unterstehst dich, irgendwas in die Hände zu nehmen, das mehr als fünf Kilo wiegt!“ Isabelle schluckte. „Danke“, flüsterte sie. „Ich glaub, ihn jetzt zu sehen, hätte ich nicht auch noch verkraftet.“ „Da gibt’s nichts zu danken.“ Sanft nahm Deborah sie in den Arm. „Und pass mal gut auf, Isa. Wir können dir helfen, klar, aber wir können dir nicht die Entscheidungen abnehmen, die dein Leben betreffen. Wenn du heute Abend sagst, dass wir sein Zeug wieder auspacken sollen, dann tun wir das. Und wenn du ihn nie wieder sehen willst, verpassen wir dir eine neue Identität und fliegen dich nach Australien, wenn’s sein muss, damit er dich nicht mit Briefen, Besuchen und Anrufen bombardiert.“ „Ich wollte eh irgendwann ’nen Flugschein machen“, merkte Tamina an und zog dabei ein so ernstes Gesicht, dass Isabelle nicht anders konnte als zu lachen. „Na, dann wäre ja alles geklärt.“ Sie wischte sich ein letztes Mal an diesem Nachmittag übers Gesicht und drückte ihre Freundinnen alle kurz an sich. „Danke. Einfach nur danke.“ *** Sie war sich nicht sicher, ob sie die Tatsache, dass Basti sich kein weiteres Mal an diesem Nachmittag meldete, erleichternd oder enttäuschend fand. Wahrscheinlich beides. Aber immerhin, er schien ihre Entscheidung zu akzeptieren. Abends tauchte er wieder auf, einen gemieteten Kleinlaster sowie Philipp und Lukas im Schlepptau, und betrat auf Louisas Öffnen hin wortlos die Wohnung. Während Lukas und Philipp sofort in seinem Zimmer verschwanden, wo unzählige blaue Müllsäcke und mehrere Schachteln aufgereiht an der Wand standen, ging Bastian schnurstracks in die Küche, stellte einen in buntes Papier gepackten Karton auf dem Küchentisch ab und musterte Louisa, die ihm gefolgt war, mit hochgezogenen Augenbrauen. „Arbeitet ihr schichtweise?“, fragte er schließlich und es klang beinahe verächtlich. Sie blickte ihn kampfbereit an. „Als was?“ „Als ihre persönlichen Wachhunde“, erwiderte er naserümpfend. „Wir tun nur das, worum sie uns bittet. Es würde uns nicht im Traum einfallen, ihr in ihre Entscheidungen hineinzureden und zu versuchen, sie in irgendeiner Weise umzustimmen“, gab Louisa ruhig zurück. Er lachte freudlos auf. „Ja, das dachte ich mir. Das sind wahre Freunde, oder? Immer nur nicken und zu allem Ja und Amen sagen … und einen auch dann über die Klippe laufen lassen, wenn man es verhindern hätte können …“ Louisa schnappte nach Luft. „Hey, so hab ich das überhaupt nicht gemeint, damit das mal klar ist! Wir sagen ihr sehr wohl unsere Meinung und sie weiß, dass wir das alles sehr ernst nehmen, dass wir ihr versuchen zu helfen und jederzeit für sie da sind! Aber wir wissen es auch nicht besser als sie und im Gegensatz zu anderen Leuten“, sie nahm ihn mit ihrem Skalpellblick förmlich auseinander, „bilden wir uns wenigstens nicht ein, allwissend zu sein!“ Der Hieb traf ihn, doch er ließ es sich kaum anmerken. „Na schön, dann zieht eure Nummer eben durch. Soll sie doch mit euch glücklich werden, mit ihren wahrhaft tollen Freundinnen …“ Er verdrehte spöttisch die Augen und stapfte an ihr vorbei aus der Küche und durch den Flur. „Das Paket ist für sie“, rief er über die Schulter, ehe er sein ehemaliges Zimmer betrat, „und vielleicht lasst ihr es sie ja öffnen, ohne ihr dabei über die Schulter zu schauen!“ „Depp“, murmelte Louisa, schnappte sich das Paket und eilte in Isabelles Zimmer, wo diese mit dem Rest ihrer Freundinnen auf dem Bett hockte und die Wand anstarrte. „Er ist in seinem Zimmer“, verkündete Louisa. „Mit Philipp und Lukas. Und das hier ist für dich.“ Sie beförderte das Paket auf die Matratze und fügte zögernd hinzu: „Ich glaube, er will, dass du es öffnest, wenn du alleine bist.“ Prompt erhoben sich Sara, Tamina und Deborah. „Wir gehen ins Wohnzimmer“, erklärte Sara und verschwand als Erste. Die anderen folgten ihr auf dem Fuß und noch ehe Isabelle es sich versah, war sie alleine. Na ja, nicht ganz alleine. „Wenigstens du bleibst bei mir“, murmelte sie und streichelte Filou sanft über den Kopf. Er sah sie treuherzig an und sie stieß einen tiefen Seufzer aus: „Manchmal glaube ich echt, du kennst mich von allen am Besten.“ Dann entfernte sie langsam das Geschenkpapier und öffnete den Karton. Es verwunderte sie nicht besonders, dass obenauf ein ganzer Haufen zusammengeknüllten Zeitungspapiers lag. Dies war immerhin ein Paket von Bastian Schweinsteiger und zu ihm passte diese verrückte Art und Weise. Wahrscheinlich lag ganz unten ein Briefumschlag und sonst nichts. Es wäre ihm glatt zuzutrauen … Aber was da wohl drin stand? Hatte er ihr überhaupt noch etwas zu sagen? Sie hielt einen Augenblick inne und nicht zum ersten Mal schoss ihr der Gedanke durch den Kopf, dass das, was sie getan hatte, nicht das Richtige sein konnte. Doch dann zwang sie sich, diese Tatsache beiseite zu schieben. Vielleicht war es falsch, schon möglich. Aber es wäre ebenso wenig richtig gewesen, blauäugig so weiterzumachen wie bisher! Seufzend fischte Isabelle die letzten Papierbälle heraus. Sie hatte mit ihrer Vermutung tatsächlich richtig gelegen! Nichts war in diesem Paket außer einem hellblauen Umschlag, der ganz unten lag. Sie nahm ihn heraus und riss ihn bewusst achtlos auf. Ein blumiger Duft stieg ihr in die Nase. Bastian hatte doch nicht allen Ernstes dieses graue Umweltpapier einparfümiert, oder? Er hatte. Fassungslos betrachtete sie den zusammengefalteten Zettel in ihren Händen. Was sollte das denn? Wollte er sich noch einen dummen Scherz mit ihr erlauben, bevor er sie für immer verließ? Ein undefinierbares Gefühl kochte in ihr hoch. Da war zum Einen die Wut darüber, dass sie sich hier so veralbern ließ, aber auch tiefer Schmerz. Sie musste diese Situation so schnell wie möglich hinter sich bringen! Hastig faltete sie das Papier auseinander. Er hatte eine ganze Seite mit seinen leicht krakeligen Buchstaben gefüllt. Isabelle holte tief Luft und begann zu lesen. >>> Isa, ich weiß, du willst mich nicht mehr sehen. Du willst, dass ich aus deinem Leben verschwinde. Ich kann’s verstehen, denn ich habe dir genügend schwerwiegende Gründe gegeben. Du hast das Recht dazu, das sehe ich ein. Und wahrscheinlich ist es die vernünftigste Lösung, denn es gibt wohl keine bessere. Bevor ich für immer gehe, will ich dir aber etwas sagen. Es mag so aussehen, als wärst du mir egal und als würde mir dieser Schritt nichts bedeuten, aber so ist es nicht. Ich bin nicht so gleichgültig, wie es scheint. Ich habe nur endlich begriffen, dass ich so nicht weitermachen kann. Isa, mein Leben ist wie dieser Karton, der gerade vor dir steht. Von außen schön anzusehen, lustig, farbenfroh, gute Laune versprühend … und viel zu viele Menschen haben den Karton bereits geöffnet, in freudiger Erwartung, etwas Wundervolles vorzufinden. Doch sie wurden bitter enttäuscht, denn ihnen gähnte nichts als graues Papier entgegen. Die meisten haben sich damit zufrieden gegeben, denn mit diesem grauen Papier ließ sich zumindest für eine Nacht doch etwas anfangen. Danach wurde der Karton weggestellt, weil er nutzlos war. Oder, und da will ich mich gar nicht herausreden, er hat sich selbst weggestellt. Dabei hat er sich immer eingebildet, dass es toll sein muss, von einer Frau zur anderen gereicht und jedes Mal aufs Neue geöffnet zu werden. Es war so abwechslungsreich – und doch so armselig. Dann kam jemand, der die Sache durchschaut hatte, noch ehe der Karton geöffnet war. Du warst das. Du hast dich von dem bunten Papier nicht täuschen lassen, sondern ihn verächtlich in die Ecke gestellt und dir zunächst einmal gar nicht die Mühe gemacht, ihn überhaupt aufzumachen. Und genau das hat dem Karton nicht gefallen. Plötzlich hatte er den sehnlichen Wunsch, geöffnet zu werden – und nicht nur das. Er wünschte sich, dass jemand all diesen Müll, dieses nutzlose graue Papier, herausnimmt und wegwirft. Und dann hast du angefangen, immer wieder in diese Ecke zu gehen und das bunte Papier abzureißen. Du hast den Karton geöffnet und verächtlich auf dieses graue Papier geblickt. Und irgendwann hat der Karton sich verändert – und du auch. Du hast ein Papierknäuel nach dem anderen herausgeholt und weggeworfen, weil du wusstest, dass da mehr ist. Dass es nicht alles gewesen sein kann. Und du hast diesen schönen Umschlag entdeckt, als all das Papier draußen war. Als der Karton leer und beschämt vor dir stand und wusste, dass alles, was er bisher in seinem Leben gehabt hatte, bedeutungslos war. Es hat Zeit gebraucht, aber schließlich hast du den Umschlag geöffnet. Und du hast etwas entdeckt, das bisher noch niemand zu Gesicht bekommen hatte: einen wundervollen Duft. Du hast erkannt, dass auch dieser blöde Karton etwas Gutes an sich hat, und bei dir hat er zum ersten Mal die Chance bekommen, es zu beweisen. Zum ersten Mal hat sich jemand die Mühe gemacht, ihm schonungslos vorzuhalten, wie schäbig er doch ist, und sich trotzdem weiter mit ihm abzugeben. Du hast dir die Mühe gemacht, dieses Gute in ihm zu finden, und deshalb sitzt du jetzt hier und liest diesen bekloppten Brief über einen dämlichen Karton. Ich wollte dir nur Danke sagen. Und dass ich dich nie vergessen werde. Und dass ich, falls du es dir irgendwann doch anders überlegen solltest, kompromisslos für dich da sein werde. Vielleicht habe ich es bis dahin ja geschafft, diesen Karton mit mehr zu füllen als mit grauem Papier … Danke, Isa. Dafür, dass du es versucht hast. Ich liebe dich. <<< |
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