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Er ist ein Star - holt ihn hier raus!
Die angehende Abiturientin Isabelle hat die Schnauze gestrichen voll von Männern. Doch durch einen Trick schafft es ausgerechnet Bastian Schweinsteiger, das freie Zimmer in ihrer WG zu bekommen. Wenigstens kann sie sich in den nicht verlieben, denn diesen eingebildeten Chaoten kann Isa auf den Tod nicht ausstehen. Glaubt sie zumindest … (Humor/Romanze/Drama)
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Der Player und die TigerinLouisa hatte Recht, das wurde Isabelle noch in dieser Nacht klar. Gefühlte Stunden lag sie in ihrem Bett, ohne in den Schlaf zu finden, und grübelte vor sich hin. Dann kam sie zu dem Schluss, dass es wirklich besser war, Sara alles zu erzählen, bevor die es selbst herausfand. Und sie würde es verstehen. Sie würde verletzt sein, keine Frage, aber sie würde es verstehen. Stöhnend drückte Isabelle das Gesicht ins Kissen. Wieso war das Leben nur so kompliziert? Und warum traf es ausgerechnet sie? „Warum nicht dich?“, hörte sie eine ruhige innere Stimme sagen. „Glaubst du, bei den anderen läuft alles glatt?“ Da war irgendwie was dran. Isabelle beschloss, das Jammern sein zu lassen – zumindest für diese Nacht – und kurz darauf schlief sie tatsächlich ein. Und wachte am Samstag erst kurz vor zwölf auf. Sie duschte, zog sich an und werkelte ein wenig in der Wohnung herum. Es gab genug zu tun: Ein Berg Schmutzwäsche wartete darauf, gewaschen und getrocknet zu werden, die Küche musste aufgeräumt werden und die Böden hatten eine ausgiebige Reinigung auch mal wieder nötig. Zuerst nahm sie sich die Küche vor, dann saugte und wischte sie die Fußböden. Vor Bastians Zimmer zögerte sie einen Moment lang, doch dann öffnete sie die Tür und trat samt Schrubber und Eimer ein. Er hatte sein Reich im heillosen Chaos hinterlassen. Das hatte nichts mehr mit Gemütlichkeit zu tun, fand selbst Isabelle, die sich ja auch nicht gerade eine Ordnungsfanatikerin nennen konnte. Das Bett war ungemacht, die Schreibtischplatte sah aus wie ein Schlachtfeld und der Fußboden war mit Klamotten, Zeitschriften und den verschiedensten Essensresten gepflastert. Ein mehr als nur unangenehmer Geruch hing in der Luft. Isabelle stellte die Putzutensilien ab und stakste zum erstbesten Fenster, um erst mal ordentlich durchzulüften. So schlimm war es wirklich noch nie gewesen. Was hatte ihren Freund nur dazu veranlasst, sein Zimmer in einen derartigen Saustall zu verwandeln?! Eilig trat sie vors nächste Fenster und riss auch dieses auf. Dankbar atmete sie die frische Luft ein, die ihr von draußen entgegen strömte. Wenn Bastian am Sonntag heim kam, würde er aber was zu hören kriegen! Sie schaute auf den Fenstersims herab. Dort saßen mindestens sieben quietschbunte Kuscheltiere aufgereiht, eins hässlicher als das andere. Wo hatte Basti die denn her?! Ungläubig nahm Isabelle eins der Tiere in die Hand. Es war eine Kuh mit pink gefärbtem Fell und zwei riesigen Glocken um den Hals. Am Hals baumelte ein kleines Zettelchen. Basti, du bist soooo süß! Ich liebe dich! Dein größter Fan Cynthia! „Ich glaub, ich spinn“, entfuhr es Isabelle. Unter dieser wundervollen Nachricht stand tatsächlich eine Handynummer. Das war jetzt nicht wahr, oder? Basti stellte sich die Geschenke seiner Fans ins Zimmer? Und dann auch noch so was Hässliches?! Mit TELEFONNUMMER?!? Am liebsten hätte sie die Kuh durchs offene Fenster auf die Straße geschmissen und genüsslich zugesehen, wie sie von einem Auto überfahren wurde. Aber sie beherrschte sich und stellte das Viech wieder an seinen Platz zurück. Stattdessen griff sie zu einem weiteren pinkfarbenen Tier, diesmal einem Tiger. Ging’s vielleicht noch schlimmer?! Auch hier fand sich ein Zettelchen mit einer Notiz: Wenn du Langeweile hast, ruf mich einfach an. Ich bin immer für dich da. In Liebe, deine heiße Tigerin Eva „In Liebe? Ich krieg gleich zu viel!“ Der Tiger fiel aus Isabelles Händen auf den Teppich und das winzige Plastikpäckchen, das zwischen seinen Pfoten gesteckt hatte, landete daneben. Langsam wünschte sie sich, einfach nicht ins Zimmer gekommen zu sein. Wenn das Bastis Art war, Kondome aufzubewahren, hatte er ihr bisher jedenfalls mindestens eine seiner außergewöhnlichen Eigenschaften verschwiegen. Aufstöhnend drehte sie sich um. Die heiße Tigerin ließ sie liegen, wo sie war. Sie wollte nur noch hier raus. Und Bastian konnte sein Zimmer selber putzen. Anscheinend war er ja der Einzige, der wusste, was er wollte. Sie war drauf und dran, hinauszustürmen, als ihr Blick auf etwas fiel, das ihre Aufmerksamkeit beanspruchte. Eine Sekunde lang zögerte sie – das konnte sie doch nicht bringen! -, aber dann ging sie langsam hinüber und bückte sich zu dem Heft runter, das halb unterm Bett lag. Sie schluckte. Irgendwie war sie gerade richtig geschockt, obwohl sie das vielleicht nicht hätte sein sollen. Sie kannte das ja schließlich von ihren Verflossenen – die hatten auch alle eine ganze Playboy-Sammlung unterm Bett versteckt und sie hatte es irgendwann aufgegeben, sich darüber aufzuregen. Schien bei Männern wohl normal zu sein, dass sie sich nicht mit dem Anblick der eigenen Freundin zufrieden geben konnten … und dennoch spürte sie jetzt ganz deutlich Enttäuschung in sich aufsteigen. Vielleicht hatte ihr Unterbewusstsein einfach gehofft, dass Basti da anders war. Dass er nicht war wie der Rest der Kerle. Ach, wie absurd … ausgerechnet er, der Player, der Telefonnummern und Kondome seiner Verehrerinnen hortete, sollte anders sein?! Eine Träne suchte und fand den Weg über ihre Wange nach unten. Es waren nur Kleinigkeiten, aber sie schmerzten. Sie war in ihrem Leben genug verletzt worden – sie wollte das nicht noch einmal durchmachen müssen! Mit zitternden Beinen wankte Isabelle zu einem Stuhl hinüber, der unter unzähligen Kleidungsstücken begraben war. Sie fegte sie achtlos auf den Boden, setzte sich und schloss die Augen. Ja, sie liebte Basti, daran bestand kein Zweifel. Und sie wollte ihm gerne glauben, dass er sie ebenfalls liebte. Aber manchmal reichte Liebe allein eben nicht aus. Manchmal musste erst die Vergangenheit verdaut werden, ehe etwas Neues beginnen konnte. „Na komm schon, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür“, sagte sie halblaut. Es gab noch genug Arbeit, die erledigt werden konnte, und sie wollte nicht den ganzen Tag total deprimiert herumhängen. Einen Haushalt zu führen, war manchmal die beste Art, sich von Beziehungsproblemen abzulenken. Und die wirksamste. *** Das Spiel Bayern gegen Nürnberg schaltete sie natürlich ein, verfolgte es aber nur aus dem Augenwinkel und widmete sich stattdessen hauptsächlich der Bügelwäsche, die sich als riesiger Berg vor ihr auftürmte. Eigentlich bügelte sie eher selten, aber heute verspürte sie den Drang, sämtliche Hosen, Sweatshirts und sogar Socken knitterfrei zu kriegen. Bastis Hemden, die sich in einem Korb vor seiner Zimmertür stapelten, würde sie sich netterweise auch noch vornehmen, wenn sie dann noch nicht genug hatte – obwohl sie im Grunde nicht das Bedürfnis verspürte, ihm einen Gefallen zu tun. „Du bist doch nur auf dich selber wütend, weil du es nicht auf die Reihe kriegst, eine dauerhafte Beziehung zu führen“, meldete sich ihre innere Stimme mal wieder zu Wort. „Ach, Klappe“, knurrte sie unwirsch. „Das ist die Wahrheit. Sei endlich mal ehrlich zu dir selbst. Du bist eifersüchtig wegen diesen blöden Kuscheltieren und den nackten Frauen unter seinem Bett, aber dein größtes Problem ist, dass du Angst hast und dir immer noch nicht sicher bist, ob du das Richtige tust. Du hast mit deiner Vergangenheit noch nicht vollständig aufgeräumt, Isa!“ „Lass mich in Ruhe! Du bist nur eine fiktive Stimme. Das ist doch alles Schwachsinn!“ „Nein, ist es nicht. Du wirst nicht glücklich, solange du nicht ehrlich bist. Ganz einfach.“ „Boah, leck mich!“ Fast hätte sie das Bügeleisen durchs Zimmer geschmissen, so erbost war sie mit einem Mal. „Ich könnte glücklich sein, wenn Basti nicht so … so … ach, wenn er anders wäre! Und fertig!“ „Aber …“, begann die innere Stimme, doch in diesem Augenblick klingelte es an der Wohnungstür. Isabelle stellte das Bügeleisen beiseite und eilte in den Flur hinaus. Sie hatte zwar keine Ahnung, wer jetzt zu ihr kam, aber wer immer es auch war: Er war ihre Rettung. Sich mit einer fiktiven Stimme zu streiten … also, irgendwie war sie schon ein bisschen bekloppt. „Hey, Isa.“ „Sara! Komm … rein“, stammelte Isabelle, der augenblicklich ihr letztes Gespräch mit Louisa durch den Kopf schoss. „Danke. Ich hatte einfach das Gefühl, dass es gut wäre, mit dir zu reden.“ Saras Umarmung war so herzlich, dass Isabelle ein schlechtes Gewissen bekam. Konnte sie ihrer Freundin wirklich alles erzählen? Durfte sie ihr so weh tun? |
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