![]()
![]()
|
Er ist ein Star - holt ihn hier raus!
Die angehende Abiturientin Isabelle hat die Schnauze gestrichen voll von Männern. Doch durch einen Trick schafft es ausgerechnet Bastian Schweinsteiger, das freie Zimmer in ihrer WG zu bekommen. Wenigstens kann sie sich in den nicht verlieben, denn diesen eingebildeten Chaoten kann Isa auf den Tod nicht ausstehen. Glaubt sie zumindest … (Humor/Romanze/Drama)
Fortschritt: 100%
Inhaltsverzeichnis Einklappen
Der Schutzwall bröckelt„Wer ist eigentlich die Frau auf dem Bild hier?“, fragte Bastian, als Isabelle ihr Worddokument geschlossen hatte und nach einer Wasserflasche langte, um ihren Durst zu löschen. So ein Referat vorzubereiten war Stress pur – vor allem, wenn Bastian daneben saß und einen ständig mit irgendwelchen Zwischenkommentaren oder Grimassen dazu brachte, vom eigentlichen Thema abzukommen. „Meine Mutter“, antwortete Isabelle knapp, setzte die Flasche an die Lippen und trank. Hoffentlich fragte diese Nervensäge jetzt nicht weiter; das hätte ihr gerade noch gefehlt, ihm ihre Familienverhältnisse bis ins Detail erklären zu müssen. „Cool, lerne ich sie dann auch mal kennen? Wenn sie dich mal besuchen kommt oder so.“ Fragend blickte er sie an. „Nee, ganz sicher nicht.“ Die Flasche wanderte an ihren Platz zurück und Isabelle griff nach ihrem Chemiebuch. Noch ein Fach, in dem sie null Durchblick hatte und in dem nächste Woche eine Klausur anstand. „Und wenn du zu ihr fährst?“ „Tu ich nicht und selbst wenn, dann würde ich dich bestimmt nicht mitnehmen.“ „Warum nicht?“ „Weil ich mir echt Schöneres vorstellen kann. Außerdem lebt meine Mutter seit über einem Jahr in Amerika und will nichts mehr von ihrer Tochter wissen.“ Shit, jetzt war es ihr doch rausgerutscht. Die Bemerkung, die sie den meisten Leuten liebend gern verschwieg. Normalerweise lieferte sie auf die Frage, weshalb sie mit ihren 19 Jahren allein in einer Wohnung lebte, die einfache Erklärung, dass ihre Mutter vor gut 14 Monaten aus Familiengründen nach Amerika gezogen war und sie selbst aber zunächst ihren Schulabschluss in Deutschland fertig machen wollte. Dass ihre Mutter tödlich beleidigt reagiert hatte, weil Isabelle lieber in München bleiben wollte, wo sie ihre Freunde hatte, wurde tot geschwiegen. Natürlich bohrte Basti jetzt nach und blöderweise ließ er ihr so lange keine Ruhe, bis sie ihm die grobe Geschichte erzählt hatte. Mutter lernt vermögenden Unternehmer aus Amerika kennen und verlässt das Land, um ihn zu heiraten. Die Tochter, die dabei aus ihrem Umfeld herausgerissen werden soll, weigert sich, und wird von da an ignoriert. „Verstehst du jetzt auch, warum ich was gegen Leute hab, die sich für was Besseres halten, weil sie Kohle bis zum Umfallen haben und sich einfach alles rausnehmen können?“, versetzte Isabelle und warf Bastian dabei einen bedeutungsvollen Blick zu, der ihn eindeutig in den Kreis dieser Leute einschloss. „Ja, schon. Aber du kannst ja nicht alle, die ein bisschen mehr Geld haben, in einen Topf schmeißen“, wandte Schweini ein. „Ein bisschen?“, entgegnete sie mit hoch gezogenen Augenbrauen. „Also, ich weiß ja nicht, wie viel du im Monat verdienst – interessiert mich auch null -, aber es kommt sicher annähernd an diesen amerikanischen Unternehmer ran, der meine Mutter geheiratet hat. Und der ist ein absolutes Ekel! Auch ein Grund, warum ich hier bleiben wollte. Außerdem bin ich ja volljährig und muss mir da von keinem Vorschriften machen lassen. Und außerdem“, sie holte tief Luft, „lass ich mir erst recht nicht vorschreiben, wen ich wertzuschätzen hab und wen nicht.“ „Also, gegen etwas mehr Wertschätzung hätte ich aber nichts einzuwenden“, grinste er sie an. „Dann lass mich einfach in Ruhe. So wie jetzt.“ Mit ausgestrecktem Arm wies sie zur Tür. „Na los, raus mit dir, bevor ich dir irgendwelche Bücher an den Kopf werfe! Oder meinen Hund auf dich hetze.“ „Erstens pennt der“, Basti warf einen amüsierten Blick zu Isabelles Bett hinüber, auf dem Filou friedlich schlummerte, „und zweitens würde der mir nie was tun. Dazu hat er mich viel zu gern.“ „Quatsch. Der kann dich genauso wenig leiden wie ich!“, behauptete sie, obwohl sie selber wusste, dass sie damit falsch lag. Jemandem, den Filou nicht leiden konnte, verhielt er sich anders gegenüber, als er es bei Basti tat. „Tja … wenn das so ist, dann will ich mal lieber gehen, bevor ich gleich zwei meiner Feinde störe“, zwinkerte er ihr zu, erhob sich und schlenderte zur Tür. „Ich wärm mir die Pizza auf, willst du auch noch was davon haben?“, fragte er, als er die Türklinke schon in der Hand hielt. „Von mir aus. Es sei denn, du kriegst dann so wenig ab, dass du immer noch Hunger hast.“ „Hältst du mich für so ’nen Vielfraß?“ Er setzte einen empörten Blick auf, der sie beinahe zum Lachen gebracht hätte. Aber sie riss sich zusammen. Ihr halbwegs aufgerichteter Schutzwall bröckelte schon wieder. Sie durfte nicht zulassen, dass er noch stärker wackelte, sondern musste ihn festigen. Ihre Bissigkeit herauskehren. Ihren weichen Kern hinter einer harten Schale verstecken. Sie wollte kein weiteres Desaster hinnehmen müssen. „Nee, aber ich bin einer“, brummte sie und tat dann so, als sei sie schon völlig in ihre Aufschriebe vertieft. „Na, dann ist ja gut. Ehrlich gesagt hab ich schon befürchtet, dass du auch zu den Mädels gehörst, die jede Kalorie einzeln abzählen. Aber das scheint ja Gott sei Dank nicht der Fall zu sein“, schmunzelte Bastian und schloss die Tür hinter sich. Isabelle stützte den Kopf auf die Hände. Er war nett. Verdammt nett sogar. Er hatte ihr super bei ihrem Referat geholfen. Er teilte seine Pizza mit ihr. Er lächelte sie ständig an und hatte noch nicht ein einziges Mal etwas Negatives über ihre Figur gesagt, wie sie es von jemandem wie ihm erwartet hätte. Und langsam bekam sie das Gefühl, dass es überhaupt keine gute Idee gewesen war, ihn bei sich einziehen zu lassen. Sie schloss die Augen und rief ihn sich vor ihr inneres Auge. Lächeln. Strahlendes Lächeln. Sie hätte lügen müssen, wenn sie behauptet hätte, dass seine unheimlich intensiven Blicke sie nicht irgendwie doch berührten. Scheiße. Verfluchte Scheiße. Fehlte nur noch, dass sie sich in ihn verliebte. Aber das durfte sie nicht zulassen. Niemals. Nicht in ihn. Nicht in Bastian Schweinsteiger! Dann schon eher in Lukas oder Philipp. Aber machte das einen Unterschied? Nein, eigentlich nicht. Abgesehen davon, dass sie Basti trotz seiner Nettigkeit immer noch für einen eingebildeten Schnösel hielt. Aber zogen eingebildete Schnösel bei einer Ottonormalverbraucherin ein, wenn sie genauso gut das nötige Geld für eine Luxusvilla hinblättern konnten?! „Stark sein. Bloß keine Schwäche zeigen“, murmelte Isabelle und griff entschlossen nach ihrem Chemiebuch. Sie würde sich Mühe geben müssen, aber es konnte klappen. Einfach die positiven Dinge an ihrem Mitbewohner ignorieren und sich stattdessen seine schlechten Eigenschaften vor Augen halten, dann würde es schon gehen. Irgendwie. Als Bastian kurz darauf an ihre Tür klopfte, holte Isabelle tief Luft. „Ja?“, brummte sie so abweisend wie möglich und starrte angestrengt auf die Formeln in ihrem Buch, die ihr auch nach dem Abitur null sagen würden. Die Tür ging auf. „Pizza ist fertig aufgewärmt. Kommst du?“ „Keine Zeit, ich bin grad so richtig drin.“ Was für eine Lüge, aber was Besseres fiel ihr echt nicht ein. „Musst wohl alleine essen – aber das wirst du ja gerade noch so hinkriegen, oder?“ „Äh … okay …“ Er war verblüfft, kein Zweifel. „Soll ich dir deinen Teller dann bringen, damit du wenigstens nebenher …“ „Nein, schon okay.“ Die Zeilen verschwammen inzwischen schon vor ihren Augen, so angestrengt starrte sie drauf. „Ist ja eh deine Pizza. Von DEINEM Geld. Das werde ich ganz sicher nicht in Anspruch nehmen, klar?“ Verrückt, wie mies sie sich plötzlich fühlte, obwohl sie bestimmt nicht unfreundlicher war als bisher – und da hatte es ihr sogar eine gewisse Genugtuung verschafft. Was war bloß mit ihr passiert, dass sie sich auf einmal richtig Mühe geben musste, um einen patzigen Tonfall hinzubekommen?? „Was ist denn jetzt los? Hab ich wieder was falsch gemacht oder warum bist du plötzlich wieder so …“ „So was? Sorry, Bastian, aber für irgendwelche Diskussionen hab ich jetzt null Zeit. Ich werde nicht wegen irgendjemandem meine Klausuren in den Sand setzen. Und wegen dir schon dreimal nicht!“ Isabelle klammerte sich an der Schreibtischplatte fest. „Und wenn du geglaubt hast, dass ich auf einmal nett zu dir bin, weil du mir bei dem Referat geholfen hast, dann hast du dich geschnitten! Klar??“ Es entstand eine Pause. Isabelle erschien sie wie eine Ewigkeit, aber wahrscheinlich dauerte sie nur ein paar wenige Sekunden. Dann brach Basti das Schweigen. „Schon klar, hab’s kapiert. Du kannst mich nicht ausstehen und willst absolut nichts mit mir zu tun haben, obwohl wir in einer Wohnung leben und es da eigentlich normal sein sollte, miteinander zu reden und zu essen. Aber du willst es nicht, okay. Ich akzeptier das. War wohl ziemlich bescheuert von mir, zu glauben, dass wir doch halbwegs normal miteinander umgehen können!“ Seine Worte versetzten ihr einen heftigen Stich, doch sie ließ sich nichts anmerken. Kalt bleiben. Kalt, hart und unberührt. Nur so konnte sie sich schützen. Da musste sie jetzt durch. „Dass wir in einer Wohnung leben, heißt noch lange nicht, dass mein Leben irgendwas mit deinem zu tun hat! Und jetzt lass mich in Ruhe lernen. Wie man eine Tür richtig schließt, weißt du ja hoffentlich.“ Die Tür fiel ins Schloss. Nicht wütend und laut, sondern leise und verletzt. Und Isabelle saß da und fragte sich fassungslos, warum ihr ihre Grobheit plötzlich so verdammt leid tat. |
||||||||||||||||||||||