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Er ist ein Star - holt ihn hier raus!
Die angehende Abiturientin Isabelle hat die Schnauze gestrichen voll von Männern. Doch durch einen Trick schafft es ausgerechnet Bastian Schweinsteiger, das freie Zimmer in ihrer WG zu bekommen. Wenigstens kann sie sich in den nicht verlieben, denn diesen eingebildeten Chaoten kann Isa auf den Tod nicht ausstehen. Glaubt sie zumindest … (Humor/Romanze/Drama)
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Die reinste Geduldsprobe„Ich kann’s einfach nicht glauben, wie unhöflich du drauf warst“, drang Louisas Stimme fassungslos aus Isabelles Handy. Isabelle klappte „Das Muschelessen“ zu, das sie bis Montag für den Deutschunterricht zu lesen hatte, und zog ihren Spiralblock näher heran. Auf dem Außendeckel klebten Bilder von der Fanmeile 2006. Das war ein Erlebnis gewesen, da live dabei zu sein! Noch immer überfiel Isabelle eine Gänsehaut, wenn sie daran dachte. Sie war damals gerade 18 geworden und hätte alles dafür gegeben, den Sommermärchen-Helden persönlich zu begegnen; nicht nur beim Training, wo sie eine von Hunderten war. Die Fanmeile war allerdings tausendmal besser gewesen als alles andere, obwohl sie selbst dort noch einen viel kleineren Teil eingenommen hatte. Aber sie hatte einen Platz ziemlich weit vorne gehabt und die Jungs genau gesehen. Alle. Und jetzt hatte sie einen von ihnen hier in der Wohnung! Eigentlich musste sie durchgeknallt sein, eine solche Grobheit Bastian gegenüber an den Tag zu legen. Ihre Freundinnen hatten Recht: Sie war komplett irre. Verrückt. Einfach unerklärlich bescheuert. Irgendwie verstand sie sich ja selbst nicht. Aber wäre es denn besser, dem Bayernspieler aufgrund seines Status’ mehr Achtung entgegen zu bringen als einem „Normalo“, den sie ohnehin gleich in den Wind geschossen hätte?!? „Isa, bist du noch dran?“ Die 19jährige verdrehte die Augen. Zum zigsten Mal an diesem Tag. „Ja, bin ich. Aber nicht mehr lange … hör zu, ich hab echt noch viel zu tun, okay? Das ist die schlimmste Klausurenphase im ganzen Jahr, das wette ich mit dir …“ „Ist ja typisch, du hast Bastian Schweinsteiger in deiner Wohnung und denkst nur an die Klausuren!“, hielt Louisa ihr empört vor. „Ja, tu ich. Entschuldige, dass ich keinen Wert auf eine zweite Ehrenrunde lege, sondern mein Abi in anderthalb Jahren endlich in der Tasche haben will!“ „Ach, komm schon. Es ist doch nicht wegen den Klausuren, hab ich Recht? Du kannst ihn einfach nicht leiden, warum auch immer. Aber ich versteh dich nicht, Isa. Wirklich nicht. Hallo, er ist ein Star! Jeder andere würde sich darum reißen, an deiner Stelle zu sein!“, brach es aus Louisa hervor. „Das ist mir völlig schnuppe, was andere in meiner Situation tun würden! Ich weiß nur eins: dass ich jetzt weiter lernen muss! Bis dann, Louisa!“ Und ehe ihre Freundin noch weitere Beschwerden vorbringen konnte, schaltete Isabelle ihr Handy schnell aus und legte es neben „Das Muschelessen“ auf ihren Schreibtisch. Einerseits lag Louisa natürlich goldrichtig mit ihrer Behauptung. Die Klausuren kamen Isabelle gerade recht, um sich in ihrem Zimmer zu verbarrikadieren. Andererseits wusste sie genau, dass sie sich wirklich ins Lernen reinhängen musste. Auch, wenn es ihr schwer fiel. Und da konnte sie keine Rücksicht auf die Tatsache nehmen, dass einer der berühmtesten Leute Deutschlands, den quasi jeder kannte, im Zimmer nebenan saß und vielleicht gern mit ihr geredet hätte. Mal ganz abgesehen davon, dass das garantiert nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Es klopfte an der Tür. „Isa?“ Verflucht, wieso konnte der sich nicht mal merken, dass sie so nicht genannt werden wollte? Nicht von ihm! „Was gibt’s? Findest du das Bad nicht oder hat Filou deine Socken aufgefressen?“, knurrte Isabelle und drehte ihren Kuli zwischen den Fingern. „Nee, aber ich glaube, der muss mal raus!“ Shit, er hatte Recht. Schon halb neun? Genervt stand Isabelle auf und zog sich ihren Mantel über die verwaschene Jeans und den dunkelblauen Pulli. Wieso konnte sie nicht mal in Ruhe lernen, wenn es schon am Nachmittag nicht geklappt hatte? Das Möbelschleppen hatten die anderen einfach nicht ohne jede Menge Lärm hingekriegt und so war ihr schließlich nichts anderes übrig geblieben, als ihre Anlage aufzudrehen und die störenden Geräusche mit Musik zu übertönen. Mit Musik ging eh alles besser. Alles außer Vokabellernen, womit dann logischerweise auch Essig gewesen war. „Soll ich mit ihm raus?“, bot Bastian an, als Isabelle aus ihrem Zimmer trat und die Tür hinter sich zuzog. Einen Augenblick lang zögerte sie, dann schüttelte sie den Kopf. „Nee, der muss sich erst mal an dich gewöhnen; da bin ich doch nicht lebensmüde und überlass ihn einfach dir!“ Ein leicht beleidigter Ausdruck schlich sich in sein Gesicht. „Na, dann halt nicht. Ich wollte zwar eh noch an die frische Luft, aber wenn du mir das nicht zutraust …“ „Tu ich nicht, nein“, fiel sie ihm ins Wort und schnappte sich die Leine, die neben der Aufladestation vom Telefon lag. „Kann ich dann wenigstens mitkommen oder traust du dich nicht mit mir raus?“, wollte er wissen und setzte wieder dieses unverwechselbar unverschämte Grinsen auf, das sie noch zur Verzweiflung bringen würde. „Die Frage ist, ob DU dich traust, mit MIR raus zu gehen! Ich kann unter Umständen ziemlich peinlich werden“, warnte sie ihn vor und bückte sich, um die Leine an Filous Halsband zu befestigen. „Ach, das bin ich ja von Lukas gewöhnt!“, lachte er auf und fügte schnell hinzu: „Und von mir selber auch.“ „Aha, na von mir aus, dann komm halt mit“, brummte sie und ging zur Wohnungstür. Wahrscheinlich war es auch nicht schlimmer, einen Spaziergang mit ihm zu machen, als ihn allein in der Wohnung zu lassen. Wer wusste schon, was er in der Zwischenzeit anstellen würde … Kurz darauf trotteten sie nebeneinander her durch den nahe liegenden Park und blieben alle zwei Meter stehen, weil Filou an allem und jedem herumschnuppern musste. Es war längst dunkel und lediglich die Laternen spendeten ihnen etwas Licht. „Ist der immer so?“, fragte Bastian stirnrunzelnd. „Was meinst du?“, gab sie irritiert zurück. „Na ja, ich hab eigentlich immer gedacht, dass Hunde wie bekloppt rum rennen und so“, erklärte er. „Wenn hier jemand bekloppt ist, dann ganz sicher nicht mein Hund“, entgegnete sie vielsagend und machte ihm allein durch ihren Blick sehr deutlich, worauf sie damit anspielte. „Und außerdem hast du ja bestimmt auch Tage, an denen du am liebsten im Bett liegen und einfach nur pennen würdest, oder?“ „Ja, nur leider kannste das als Fußballprofi meistens vergessen“, grinste er zurück. „Dann weiß ich ja, welcher Beruf für mich nie in Frage kommen wird.“ Sie ruckelte ein bisschen an der Leine und Filou dackelte weiter, um nach wenigen Metern an einem Baum Halt zu machen. „Boah, das ist ja die reinste Geduldsprobe“, stöhnte Bastian auf. Isabelle zuckte die Achseln. „Kannst ja wieder umdrehen, wenn’s dir zu lange dauert. Oder deine Beklopptheit ausleben und über die Wiese rennen“, hängte sie frech an, doch das Grinsen verging ihr augenblicklich, als sie sah, wer mit eiligen Schritten auf sie zukam. „Verflixt“, murmelte sie und tat, als sei der dunkle Himmel das Interessanteste, was sie je gesehen hatte. „Hey, Isa!“ „Hi“, brummte sie und ignorierte Bastians fragenden Blick. „Wie geht’s dir so?“ „Mann, Andi, wann kapierst du endlich, dass du mir nicht mehr auf die Nerven gehen sollst? Ich hab es so satt, dir überall zu begegnen und einen auf gute Freunde zu machen“, zischte sie ihrem Ex zu und zog Filou energisch weiter. Andi kam ihnen schnellen Schrittes hinterher. „Ich will doch einfach wissen, wie es dir geht und was du machst. Ist das so schlimm?“ „Ja!“ „Aber ich vermisse dich halt einfach …“ „Boah, Andi, hör mit dem Scheiß auf und lass mich in Ruhe!“ Sie funkelte ihn wütend an und sah aus den Augenwinkeln, wie Bastian sich seine Kappe noch etwas tiefer ins Gesicht zog. Gut so, denn das Letzte, worauf sie Lust hatte, war, dass Andi ihren Begleiter erkannte und womöglich einen Riesenaufstand machte. „Aber …“ „Nix, aber!“, unterbrach Isabelle ihn sauer. „Du hast mich doch sehr gut verstanden, Andi! Ich hab mein Leben und du hast deins – und wir haben absolut nichts mehr miteinander zu tun, das sag ich dir jetzt zum allerletzten Mal! Komm, Filou, wir gehen heim.“ Filou bellte und starrte zu Andi hoch. Ja, das war auch so etwas, worauf Isabelle besser früher geachtet hatte. Keinen ihrer Mitbewohner hatte Filou gemocht und andersrum war es genauso gewesen. Hunde hatten eben den besseren Instinkt. „Darf ich dich wenigstens mal anrufen?“, rief Andi ihnen nach und es hätte nicht gefehlt und Isabelle wäre zurückgestapft, um ihm den Hals umzudrehen. „Der Kerl kapiert’s nie“, grummelte sie stattdessen und legte plötzlich ein enormes Tempo vor, um nach Hause zu kommen. „Wer war das eigentlich?“, wollte Bastian wissen und schob seine Kappe wieder etwas hoch. „Mein letzter Mitbewohner“, antwortete Isabelle knapp. „Nur Mitbewohner?“ „Nein, nicht nur Mitbewohner, aber ich wüsste nicht, was dich das angeht!“ „Na hör mal, wir wohnen jetzt ja immerhin in derselben Wohnung …“ „Ja, leider.“ Bastian blieb stehen. „Sag mal, warum hast du mich eigentlich einziehen lassen, wenn ich dir anscheinend überhaupt nicht passe?“ „Weil ich irgendjemanden gebraucht hab, das hab ich jetzt auch schon ein paar Mal erklärt. Und du verdienst erstens genug Geld und zweitens“, Isabelle hob die Stimme und sah ihm direkt in die Augen, „zweitens musste ich bisher jeden Mitbewohner rauswerfen, weil wir eine Beziehung hatten, die letztendlich gescheitert ist. Das will ich nicht noch mal erleben – und bei dir kann ich mir wenigstens sicher sein, dass es sich nicht wiederholt!“ Einen Augenblick lang herrschte Schweigen, dann zuckte Bastian gleichmütig die Achseln und meinte: „Okay, alles klar.“ „Danke“, knurrte sie und überquerte die Straße. Noch im Laufen fischte sie ihren Schlüssel aus der Tasche, wobei ihr fast die Leine aus der Hand gezogen wurde. „Mensch, Filou, sei anständig“, seufzte sie und schloss die Haustür auf. Die Glühbirne an der Flurdecke flackerte vor sich hin. „Was ist denn mit dem Licht los?“, hörte sie Bastians Stimme hinter sich, während sie die Treppen hoch lief. „Ach, keine Ahnung. Gibt wahrscheinlich bald den Geist auf“, vermutete Isabelle und stieß die Wohnungstür auf. „Unser Hausmeister kriegt das immer nicht so ganz auf die Reihe, aber egal.“ „Na ja, solange wir nicht plötzlich im Dunkeln stehen …“ Bastian lachte auf und schloss die Tür hinter sich. „Das werde ich vermeiden, so gut es geht“, konterte Isabelle und ging in ihr Zimmer, um sich endlich wieder ihren Schulbüchern zu widmen. Verdammter Stress immerzu. Irgendwann würde sie noch wahnsinnig werden deswegen. |
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