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Bis(s) / Twilight
Alle kennen die Geschichte, wie Bella und Edward zueinandergefunden haben... Aber wie sieht es mit Alice' Vergangenheit aus? Man weiß grobe Details, nichts Genaues. Hier ist meine Version der Story, wie Alice' erste Zeit als Vampir aussah. Wie sie Jasper fand. Wie die beiden zusammen zu den Cullens gestoßen sind. Und selbstverständlich auch, wie sie ohne jegliche Erinnerungen in einem dunklen, kalten Raum aufwacht... Da ich mittlerweile seit einiger Zeit in einem Twilight-RPG die Rolle der Alice Cullen spiele, ist mir meine kleine Alice richtig ans Herz gewachsen und irgendwann kam mir die Idee, doch auch mal aus ihrer Perspektive zu schreiben... Bis jetzt habe ich acht Kapitel online gestellt, und der Rest ist noch in der Bearbeitungsphase. Wie auch immer... Lasst euch überraschen, ich hoffe, es gefällt euch! Viel Spaß beim Lesen ;)

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  1. Erwacht
  2. Freiheit
  3. Duft
  4. Lucy
  5. Vision
  6. Begegnung
  7. Kuss
  8. Monster
  9. Feind
  10. Kapitel 10

Erwacht


Es war dunkel. Das war alles, was ich wahrnahm in dem Moment, in dem ich meine Augen zum allerersten Mal öffnete.

Was war geschehen? Ich konnte mich an nichts erinnern. Nichts, absolut nichts. Mein Kopf war leer, ich hatte keinerlei Erinnerungen, was mich in diesem Moment aber nicht weiter kümmerte.
Ich blinzelte verwirrt. Wo war ich? Ich lag in einem fensterlosen, pechschwarzen Raum auf dem Boden, der ekelhaft feucht war und so widerlich stank, dass ich den Atem anhielt. Und obwohl meine seltsam verrenkte Position auf dem kalten Boden unangenehm hätte sein müssen und auch die Kälte bis zu meinem Innersten hätte durchdringen müssen, ging es mir merkwürdigerweise auf eine komische Art gut. Mir war nicht kalt, obwohl ich eigentlich von Kopf bis Fuß vor Kälte hätte schlottern müssen. Die Luft war sehr feucht, genau wie der Boden. Meine Glieder sollten wie erstarrt und halb erfroren sein, da ich zudem keinerlei Kleider an mir ertasten konnte. Doch nichts. Ich fühlte mich entspannt und angenehm, zumindest körperlich.
Mental war das etwas anderes. Denn die Dunkelheit machte mich wahnsinnig, und auch das Rätsel um meine nicht vorhandenen Schmerzen beschäftigte mich. Wieso war ich hier? Wo war »hier«?
In dem Moment registrierten meine Sinne einen Schmerz, doch nicht an einer Stelle, an der ich es erwartet hätte, beispielsweise an der Wirbelsäule oder den Beinen, wo es auch angebracht gewesen wäre, denn schließlich war meine Position nicht unbedingt gemütlich.
Nein. Der Schmerz befand sich in meinem Hals. Es war ein sanftes, kaum spürbares Brennen in meinem Rachen – nicht sonderlich angenehm, aber auch nicht unerträglich.
Aus purem Reflex wanderten meine in der Finsternis unsichtbaren Hände zu meinem Hals und tasteten diesen ab. Nichts. Der Schmerz war innerlich. Außen strichen meine Finger lediglich über ungewöhnlich glatte und extrem harte Haut. Meine Finger erkundeten den ebenfalls steinharten Rest meines Körpers. Was war mit mir? Wieso war meine Haut so hart? Woher kamen die immer stärker werdenden Schmerzen in meinem Hals?
In dem Moment spürte ich etwas anderes, noch immer in meiner Position verharrend. Ich konnte das neue Gefühl nicht richtig beschreiben. Es war ein sanfter Druck in meinem Kopf. Verwirrt blinzelte ich, blind in die Dunkelheit starrend. Was war dieses Gefühl? Es war kein Schmerz, aber ich hatte keine Beschreibung für dieses Empfinden.
Ich strich mir über die Stirn. Nein, das Gefühl war innerlich. Und es wurde stärker, genau wie der Schmerz in meinem Hals. Langsam wurde das Pochen in meinem Kopf unangenehm.
Als ich mich mit aller Gedankenkraft auf das neue Gefühl konzentrierte, traf es mich wie ein Schlag. Während meine Augen noch immer nichts sahen außer dem undurchdringlichen Schwarz, sah mein Geist etwas anderes. Etwas, das sich in meinem Kopf abspielte, wie eine Art Erinnerung. Nur, dass es keine Erinnerung war.

Ich sah eine sehr kleine, junge Frau, die im Mondlicht völlig unbekleidet durch ein großes Gittertor schlüpfte, während sie hektische Blicke über ihre Schultern warf. Das Gittertor sah aus wie aus Stahl, und es war eingelassen in einen drei Meter hohen Zaun, der ein Grundstück eingrenzte, dessen Ende ich nicht erkennen konnte. Im Hintergrund sah ich eine Ansammlung riesiger Gebäude, um diese herum Rasenflächen. Vor dem Gittertor befand sich eine schmale Straße, auf der anderen Straßenseite ein Wald. Es schien sehr spät zu sein, denn niemand war mehr auf der Straße unterwegs, und außer der Frau war keine Menschenseele zu sehen.
Die junge Frau hatte kurzes, rabenschwarzes Haar, das im starken Kontrast zu ihrer kalkweißen Haut stand. Ihre Bewegungen waren trotz ihrer offensichtlichen Eile graziös und elegant, beinahe so, als würde sie tanzen.
Wie bereits erwähnt, war sie nackt. Alles, was sie am Körper trug, war ein Papierband, das ihr Handgelenk zierte.
Ich fragte mich, was sie zur Eile bewegte? Niemand war zu sehen außer ihr. Wurde sie verfolgt, waren die Verfolger in der Dunkelheit unsichtbar? Nur der Mond brachte Licht in die düstere Szene. Und warum war die Frau nackt?
In diesem Moment war es ihr gelungen, durch die Gitterstäbe des Tores zu schlüpfen. Sie war dünn genug, um diese Herausforderung zu meistern. Dünn, nein – beinahe mager.
Und dann fiel das Mondlicht in ihr Gesicht, und mir stockte der Atem.
Ihre Gesichtszüge waren wunderschön, gar keine Frage – perfekt symmetrisch und absolut makellos. Zierlich, genau wie der Rest ihres Körpers. Nie zuvor hatte ich einen schöneren Menschen gesehen. Ihre Miene war jedoch angstverzerrt, als sie durch die Dunkelheit die Straße entlangschlich.
Doch ihre Schönheit war nicht der Grund, weswegen ich vor Schreck aufgekeucht hatte. Nein, der Grund waren ihre Augen. Trotz der Dunkelheit war deren Farbe gut zu erkennen. Rot, blutrot, mit tiefen, dunklen Ringen unter den Augen. Die Augen sahen so unheimlich aus, dass ich meine Aufmerksamkeit mit aller Gewalt von diesen Bildern riss und wieder in die Realität zurückkehrte; Finsternis, nasser Boden, Schmerzen im Hals.
Und ich wusste noch immer nicht, wo ich war!
Obwohl mich die unheimlichen Bilder der fremden Frau mit den blutroten Augen in den nächsten Minuten ununterbrochen verfolgten, konnte ich den Schmerz in meinem Hals zunehmend weniger ignorieren. Er würde stärker und stärker, bis er schließlich so schrecklich wehtat, dass ich anfing zu schluchzen.
Es war ein seltsames Weinen. Tränenlos. Mein Körper wurde von meinem Schluchzen geschüttelt. Ich zitterte überall, aber nicht vor Kälte, sondern vor Schmerz. Woher kam dieser Schmerz, was war das?